Babenhäuser Frauenforum 12. Dezember 2008 mit GabriEle Otto-Jourdan, Offenbach Post vom 17.12.2008
Nur wer sich liebt, kann andere lieben
Babenhäuser Frauenforum beendete sein Jubiläumsjahr mit Kurzgeschichten der Groß-Gerauerin Gabriele Otto-Jourdan
Michael Just
Babenhausen - Was ist Liebe? Herausforderung, Chance, ewiges Geheimnis? Dass dieses Thema ein unerschöpfliches und facettenreiches Reservoir an bietet erfuhren die Besucher in der Stadtmühle bei der Autorenlesung des lokalen Frauenforums. Zur letzten Veranstaltung des Jahres "bei Musik und Kerzenschein" war die Autorin Gabriele Otto-Jourdan aus Mörfelden-Walldorf zu Gast.
Die Autorenlesung war die dritte ihrer Art. Nach dem Besuch von zwei Krimiautorinnen 2006 und 2007 stellte man in diesem Jahr die Liebe in den Mittelpunkt. "Das Thema hat uns einfach interessiert", sagt Edith Götzelmann vom fünfköpfigen Vorstandsteam. Die Lesung nimmt im jährlichen Veranstaltungskalender des Frauenforums neben dem Neujahrsempfang sowie einem Theater-/Kabarettabend eine bedeutende Stellung ein.
Zusammen mit einem vielfältigen Angebot an Workshops, Vorträgen, Seminaren und Beratungsangeboten entsteht auf diese Weise ein breit gefächertes Bildungs- und Kulturprogramm. "Allen Veranstaltungen ist gemein, dass wir versuchen, einen regionalen Bezug herzustellen. Das gilt sowohl für die Referenten, die Autoren aber auch die Musik", so Götzelmann.
In diesem Jahr gibt es das Frauenforum seit fünf Jahren. Den Geburtstag beging man mit einem großen Jubiläumsfest im Juni, dazu lud man zum internationalen Frauentag im März das Frauenkabarett "HickHack" ein, das über 300 Besucher in der Stadthalle verfolgten.
Mit der Autorenlesung, die von Renate Ding, Simone Rollmann und Lina Koser aus Hergershausen mit ihren Querflöten musikalisch untermalt wurde, schloss man nun das Jahresprogramm ab. Mit Gabriele Otto-Jourdan hatte man eine vielseitige Autorin zu Gast, die sich in ihrer Heimatregion Groß-Gerau/Mörfelden-Walldorf bereits einen Namen gemacht hat. Schon als 13-Jährige begann sie, Gedichte und Geschichten zu schreiben. Über 20 Jahre arbeitete sie als Cutterin für den SWR, die ARD und die freie Wirtschaft. Seit 1989 ist sie freiberuflich im psychologisch-spirituell-kreativen Bereich tätig. Bisher hat sie diverse Kurzgeschichten sowie Lyrik in verschiedenen Literaturmagazinen veröffentlicht. 2002 beteiligt sie sich an einer Literaturausschreibung für Frauen im Kreis Groß-Gerau, welche sie auch gleich gewann.
Am Freitagabend las sie insgesamt vier Kurzgeschichten vor, in denen es um die Selbst-, die Paar- sowie die Nächstenliebe ging. Mit dem ersten Stück "Hexenhut" war die Aussage verbunden, dass es manchmal einen Anstoß braucht, sein Selbstbewusstsein und seine Eigenschaften zu entdecken. "Es ist eine Weisheit, dass wenn man andere lieben will man erstmal bei sich selbst anfangen muss", sagt Otto-Jourdan zur Selbsterfahrung und die Moral zu ihrer ersten Geschichte. Wie sie später im Gespräch verrät, mag sie das Wort "Moral" eigentlich nicht: "Ich erdreiste mich eigentlich nie, Urteile zu fällen. Es ist viel besser, Dinge in den Raum zu stellen. Das mache ich, indem ich hinter den Spiegel schaue und die ungewöhnlichen Seiten der menschlichen Emotionen offen lege."


