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"Mord(s)geschichten" im Kulturhaus am 14. Oktober 2007 mit Semikolon, Freitags-Anzeiger 18.10.2007

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Sturm Kyrill bringt es an den Tag

Lesung der Autorengruppe Semikolon - Geschichten von Morden und starken Frauen

Mörfelden-Walldorf (spf). Mörder und ihresgleichen kommen in die Hölle. Da herrscht weitgehend Einigkeit, nicht nur unter katholischen Theologen. Wohin aber mit dem Otto-Normal-Verbraucher nach dessen Ableben? Der Himmel, vermutete Gerhard Schrick, wäre für den ja eigentlich auch nicht die richtige Adresse, würden dort doch in erster Linie Heilige und Märtyrer eingelassen.

Schrick ist Autor und Teil der Autorengruppe Semikolon, deren Mitglieder am Sonntag in der Mörfelder Stadtbücherei „Mord(s)geschichten" lasen. Schricks Gedicht „Das Lied vom Limbus“ kam ohne Mord und Totschlag aus und war trotzdem ein Höhepunkt der Lesung. Der Limbus war bislang die Antwort auf oben genannte Problematik. Als weitgehend peinfreier Vorhof zur Hölle hätten dort Ungetaufte und andere schwierig Einzuordnende warten können, bis beim Jüngsten Gericht die letzte Entscheidung gefallen ist, erläuterte Schrick.

Nun habe der Papst kürzlich erklärt, den Limbus gäbe es eigentlich gar nicht. Das wollte Katholik Schrick nicht auf sich sitzen lassen. In einer Art Protestlied forderte er vom Papst die Wiedereinsetzung des Limbus, ansonsten würde er, aus Angst um sein Seelenheil, zum Hinduismus oder Buddhismus konvertieren. Schrick nahm die katholische Kirche und ihre Theologie auf die Schippe ohne wirklich bösartig zu werden. Der Heiterkeit tat das keinen Abbruch, im Gegenteil.

Eine richtige Mordgeschichte hatte Brigitte Pons mit zu der Lesung gebracht. Mit „Kyrill“ gewann sie erst kürzlich den zweiten Preis bei einem Schreibwettbewerb, und auch die zahlreichen Zuhörer in der Stadtbücherei fesselte sie mit der Geschichte. Im Mittelpunkt steht ein in die Jahre gekommenes Ehepaar. Er erliegt der Anziehungskraft einer jungen Geliebten, sie weiß davon, schweigt aber.

Als die Geliebte dem Ehemann droht, ihn zu verraten, stößt er sie im Affekt die Treppe herunter. Auch dieser Vorfall bleibt seiner Frau nicht verborgen. Obwohl der Ehemann schon die Polizei rufen will, rät sie ihm zur Entsorgung der Leiche, und schweigt ansonsten. Die Geliebte wird im Garten zwischen den Wurzeln eines Baums verscharrt.

Nun kommt Kyrill ins Spiel. Der Sturm fällt den Baum, zur Beseitigung ruft das Ehepaar einen polnischen Hilfsarbeiter, der ihnen schon des Öfteren Arbeiten im und am Haus erledigt hat. Es kommt, wie es kommen muss, und der Arbeiter entdeckt die aus der Erde schauende Leiche. So in Not erschlägt der Ehemann den Arbeiter mit der bereit liegenden Schaufel. Als er den Mann ebenfalls verscharren will, fällt ihm an der Leiche seiner ehemaligen Geliebten eine große Kopfwunde auf. Die kann unmöglich vom Treppensturz stammen, vielmehr gleicht sie der Verletzung, die er dem Arbeiter mit der Schaufel zugefügt hat. Fragend sieht er seine Frau an. „Quitt“, sagt die kurz und schweigt wieder.

Neben Gerhard Schrick und Brigitte Pons gehören dem Semikolon-Quintett noch drei weitere Autorinnen an. Katharina Bernhard las mehrere kleine Geschichten, in denen eine liebevoll-süßlich säuselnde Frau über das Ableben ihres „Liebsten“ sinniert. Ines Fellner hatte mit „Die Häscher kommen“ die Geschichte eines alten Mannes im Gepäck, der darauf wartet, von geldgierigen Erben um die Ecke gebracht zu werden. Und Ulrike Gäthgens-Maier las „Abenteuer mit Ala“, eine wendungsreiche Geschichte über ein Einbrecherduo und das unerwartete Auftauchen einer ehemaligen Geliebten.

Was sich in vielen der Beiträge fand, war das Motiv starker Frauen. Mit List, Gift und Weitblick kamen sie zum Ziel, man(n) sollte sich hüten, einer dieser Damen zu begegnen.