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Der Schein trügt / Textauszug II

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Geschrieben von: Brigitte
Freitag, den 13. März 2009 um 16:46 Uhr

[...]
Der zwielichtige Laden im schummrigen Hinterhof veranlasste Hannah zu einem höchst empörten Ausruf.
„Gwen! Dieses Miststück!“ Was sie so in Rage brachte, war die Tatsache, dass sich dieses Waffengeschäft nicht nur nicht in einem Hinterhof versteckte. Es befand sich mitten in der belebten Innenstadt, in einer Seitenstraße. Nicht im Außenbezirk, nicht im Ghetto. Obendrein war es ein blitzblank poliertes, hell beleuchtetes und höchst legales Geschäft. Hannah konnte förmlich Gwens Lachen hören. „Warum ich das gesagt habe? Ach, ich dachte, so ist es spannender für dich. Du bist doch nicht sauer, oder?“ Nein, sie war nicht wirklich sauer. Erleichtert, traf es besser.
„Und ich dummes Huhn, hätte mir vor Angst beinahe in die Hose gemacht!“
Eine dezente Türglocke kündigte ihr Eintreten an. Hinter der Verkaufstheke schaltete ein Herr mittleren Alters sein beflissenes Kundenbegrüßungslächeln ein.
„Guten Tag, die Dame. Mein Name ist Art Buckley! Was kann ich für Sie tun?“ Sein Anzug saß tadellos. Die diversen Schusswaffen glänzten hinter Glas. Kein Stäubchen störte die gepflegte Atmosphäre. Eine Verkäuferin, mit ebenso einwandfreiem Äußeren, beschäftigte sich intensiv mit der Reinigung einer Vitrine, in der man antike Säbel und Handfeuerwaffen aus der Zeit des Bürgerkriegs bewundern konnte. Hannah entspannte sich.
„Eine Freundin hat Sie heute angerufen, Gwen Sinclair...“
„Alles klar. Mehr brauchen Sie nicht zu sagen.“ Er bremste sie mit abwehrend erhobener Hand. Die Verkäuferin ließ das Putztuch sinken und übernahm wortlos seinen Platz neben der Kasse. „Kommen Sie.“ Noch ein prüfender Blick zur Tür, dann zog er sie in den hinteren Teil des Ladens, der durch einen schweren, dunklen Vorhang abgeteilt war. Er drehte am Lichtschalter und Hannah fand sich in einem kleinen, fensterlosen Raum wieder. Dieser schien, bis auf einen Tisch und zwei Stühle, leer zu sein.
Sorgfältig zog er den Vorhang hinter sich zu, dann lächelte er wieder sein joviales Lächeln. Ein kurzer, gezielter Druck auf eine unscheinbare Stelle an der Wandverkleidung und eine vorher nicht sichtbare Klappe öffnete sich. Zum Vorschein kam eine kleine, handliche Pistole, die man leicht überall verstecken konnte. Hannah war verblüfft. Wie viele dieser geheimen Klappen es wohl noch geben mochte? Unauffällig versuchte sie sich umzusehen, konnte aber keine Hinweise auf weitere Verstecke entdecken.
Fast andächtig hob er die Waffe von ihrem Polster und erklärte mit verschwörerisch gesenkter Stimme die Handhabung.
„Sie liegt wunderbar in der Hand, der Abzug funktioniert ganz leicht. Hier wird entsichert und dann - Bamm! Sie ist geladen. Sechs Schuss. Das müsste reichen, oder?“ Hannah schwieg. Hastiger Blick durch den Vorhang. „Was soll’s, ich gebe Ihnen noch extra Munition mit. Wenn Gwen die Waffe nicht benutzt, soll sie sie mir zurück geben. Ist ein schönes Stück, finden Sie nicht auch? Spezialanfertigung in der Größe. Wenn sie aber abgefeuert wird - weg damit. Dann will ich nichts mehr mit dem Ding zu tun haben, klar? Dann muss sie die Pistole und die Munition verschwinden lassen.“ Hannah nickte nur stumm, mit aufgerissenen Augen, wie ein erschrecktes Karnickel. Weil sie sich immer noch nicht rührte, stopfte er die Minipistole, mitsamt der Munition, in ihre Handtasche. Erst jetzt fiel ihr auf, dass er Handschuhe trug.
„Man kann nie wissen“, sagte er mit einem Achselzucken, als er ihren Blick bemerkte. „Nichts gegen Gwen, aber in diesem Geschäft ist man niemals sicher.“ Er zupfte die dünnen Handschuhe von den Fingern und ließ sie in der Hosentasche verschwinden, während er Hannah durch den Vorhang zurück in den Laden bugsierte. Die Verkäuferin bewegte sich wieder zu ihrer Vitrine und putzte weiter, als wäre nichts von Bedeutung geschehen. Hannah stand starr und steif wie eine Statue, die Tasche wie ein Wickelkind im Arm. Art Buckley erlebte das nicht zum ersten Mal.
„Grüßen Sie Gwen von mir und sagen Sie ihr, wir sind jetzt quitt.“
Damit schob er sie aus dem Laden. Ein kurzes konspiratives Augenzwinkern, dann schloss sich die Tür.
Ihre Füße bewegten sich wie ferngesteuert. Erst als sie wieder mitten im Trubel der Haupteinkaufstraße ankam, wurde ihr bewusst, dass sie noch immer ihre Handtasche umklammert hielt. Blinzelnd schaute sie sich um. Die Sonne schien strahlend vom Himmel, der sich im allerblausten Blau über die Stadt spannte und sie hatte eine Gänsehaut. Der schöne Schein des legalen, ordentlichen Ladens hatte sie geblendet. Fakt war aber, und daran gab es nichts zu rütteln: sie war in Besitz einer illegalen Waffe.
[...]

Auszug aus dem Roman "Es ist noch nicht vorbei. P.S.: Wir jagen die Mafia"
erschienen im März 2009 bei Books on Demand (www.bod.de)
ISBN-Nr.: 9783837021950 
erhältlich über den BoD-Buchshop, direkt bei der Autorin und bestellbar in jeder Buchhandlung zum Preis von 13,90 €